Promotionspreise 2026

Auszeichnung für Laurids Jeppe (DESY) und Johanna Wydra (KIT)

November 2026

Promovierende bei Helmholtz leisten mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit wertvolle Beiträge zur Lösung drängender gesellschaftlicher Herausforderungen. 

Der Promotionspreis der Helmholtz-Gemeinschaft würdigt herausragende wissenschaftliche Leistungen und ermöglicht die Nominierung exzellenter Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen, um ihre Forschungsleistungen noch sichtbarer zu machen.

Im Forschungsbereich Materie werden, ebenso wie in den anderen fünf Forschungsfeldern der Helmholtz-Gemeinschaft, zwei Promotionspreise vergeben: Track A für herausragende erkenntnisgetriebene Forschung und Track B für herausragende anwendungsorientierte Forschung. 

Promotionspreis Track A

für herausragende erkenntnisgetriebene Forschung

Laurids Jeppe 

(DESY, Matter and the Universe):
“Measurement of the inclusive tt̄ production cross section and search for additional scalars in tt̄ production final states at CMS”
PhD thesis, DOI: 10.3204/PUBDB-2025-04405

Wir haben etwas gefunden, das kaum jemand am LHC erwartet hatte. Genau für solche Überraschungen betreiben wir Grundlagenforschung.
Laurids Jeppe, DESY

Überraschung am LHC:

Erstmals Spuren von Toponium beobachtet

Top-Quarks sind die schwersten bekannten Elementarteilchen und zerfallen nach weniger als 10⁻²⁴ Sekunden. Ob sie zuvor mit ihrem Antiteilchen kurz einen gebundenen Zustand bilden, das „Toponium“, galt am LHC lange als kaum messbar.
In seiner Promotion am CMS-Experiment am CERN hat Laurids Jeppe genau dieses Signal gefunden: einen statistisch eindeutigen Überschuss an Top-Quark-Paaren, die mit minimaler Energie erzeugt werden. Das Ergebnis wurde inzwischen auch vom ATLAS-Experiment bestätigt. 
Ob neben Toponium auch unbekannte Teilchen beitragen, ist offen. Klären könnte das ein künftiger Elektron-Positron-Beschleuniger.
Zuvor lieferte Jeppe das allererste Physikergebnis von CMS bei der Rekordenergie von 13,6 TeV der LHC-Laufzeit run 3, nur zwei Monate nach dem Start der Datennahme im Sommer 2022.

Promotionspreis Track B

für herausragende anwendungsorientierte Forschung

Johanna Wydra

(KIT, Matter and the Universe):
First measurement of the tritium viscosity in a temperature range from 100 K to 300 K
PhD thesis, DOI: 10.5445/IR/1000178925

Durch die präzisen Viskositätswerte von Tritium können künftige Fusionsanlagen wie DEMO besser ausgelegt werden, wodurch Entwicklungszyklen verkürzt und Investitionskosten gesenkt werden.
Johanna Wydra, KIT

Temperaturabhängiger Verlauf der Viskosität von Tritium im Vergleich zu neuen theoretischen Modellen. Bisherige Modelle zeigten eine Abweichung zu den Messungen von 5-10%. DOI: 0.1080/15361055.2026.2652754

Viskositätsmessung von molekularem Tritium bei kryogenen Temperaturen für die Forschung und Industrie

Die Viskosität bestimmt Strömungsverhalten und Pumpfähigkeit von Gasen und ist besonders für die Entwicklung von Tritium-Pumpen in Fusionsanlagen relevant, aber auch für die Astroteilchenphysik, wie zum Beispiel beim Neutrinomassen-Experiment KATRIN.
Dank des neu entwickelten Cryogenic Viscosity Measurement Apparatus (Cryo-ViMA) gelang es Johanna Wydra erstmals, die Viskosität von Tritium zwischen 100 K und 300 K hochpräzise zu vermessen und damit bisherige Modelle durch den zwingenden Einbezug quantenmechanischer und radiolytischer Effekte grundlegend zu korrigieren. Damit schuf sie am Tritiumlabor Karlsruhe (TLK) des KIT eine einzigartige kryogene Messinfrastruktur mit hoher Bedeutung für die Fusionstechnologie. 
Das anspruchsvolle Forschungsvorhaben setzte sie im Rahmen ihrer Promotion erfolgreich um, unterstützt durch ein familienfreundliches Arbeitsumfeld während der Betreuung von ihren beiden Kleinkindern.

Anerkennung für kreative Spitzenleistungen

  • “… ihre Arbeit ist fundamental für die Modellierung von Tritium-Kreisläufen in zukünftigen Fusionsanlagen und für die hochpräzisen Bestimmung der Neutrino-masse …”

        

    K. Valerius (KIT) 
    PhD supervisor von Johanna Wydra

  • “… seine Arbeit trägt zu einem besseren Verständnis der grundlegenden Struktur der Materie bei und untersucht mögliche Zusammenhänge mit der Physik jenseits des Standardmodells .…”

        

    C. Schwanenberger (DESY + U Hamburg)
    PhD supervisor von Laurids Jeppe

Für die Promotionspreise 2026 in Helmholtz Matter wurden außerdem nominiert:

Peter Feuer-Forson
Track A (HZB, MML), HU Berlin
„Machine Learning Constructed Surrogate Models for Photon Science”

Juan Manuel Gería 
Track A (KIT, MT), Doppelpromotion KIT und UNSAM Buenos Aires
„The Magnetic Microbolometer: A Novel Cryogenic Detector for Cosmology” 

Christopher Heins 
Track A (HZDR, MML), TU Dresden
„Nonlinear magnon dynamics: From the discovery of Floquet magnons to CMOScompatible magnon computing”

Jan Kaiser 
Track B (DESY, MT), TU Hamburg
„Reinforcement Learning and Differentiable Simulations for Autonomous Tuning and Control of Linear Particle Accelerators”